HL Aktuell 2/2016

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Am 21.05.2016 war Berlin Schauplatz eines Autorennens der besonderen Klasse. Die von der Gil und Weingärtner GmbH organisierte weltweit ausgetragene Meis­terschaft „FIA Formula E Championship" hatte dieses Jahr die Karl-Marx-Allee in den Ortsteilen Mitte und Friedrichshain als Austragungsort gewählt. Damit die bis zu 272 PS starken Formel-E Rennwagen ungestört um den Sieg fahren konnten, war eine zweitägige Vollsperrung der Karl-Marx-Allee von der Otto-Braun-Straße bis einschließlich zum Strausberger Platz sowie eines Teils der Lichtenberger Straße für Kraftfahrzeuge, Busse und Fahrräder vorgesehen. Beide betroffenen Straßen erfüllen wichtige Erschließungs- und Verbindungsfunktionen, sodass die Veranstal­tung bzw. die Sperrungen Auswirkungen auf das umliegende Straßenverkehrsnetz erwarten ließen. Aus diesem Grund musste zunächst eine Genehmigung bei der Ver­kehrslenkung Berlin beantragt werden. Hierfür wurden von HOFMANN-LEICHTER eine verkehrliche Untersuchung vorgenommen, ein Umleitungskonzept vorgeschla­gen und Einschätzungen zu Auswirkungen der geplanten Veranstaltung im direk­ten Umfeld des Veranstaltungsgebietes abgegeben.

Zunächst wurde eine umfangreiche Ermittlung der bestehenden Querschnittsbelastun­gen auf den betroffenen Straßen sowie im weitreichenden Umfeld des Veranstaltungs­ortes vorgenommen. Dabei wurde ein Verkehrsaufkommen auf der Karl-Marx-Allee von knapp 30.000 Kfz pro Tag bzw. 2.200 Kfz in der Spitzenstunde ermittelt. Auch auf den umliegenden Straßen wurde - bedingt durch den Berufsverkehr - eine vergleichsweise hohe Verkehrsbelastung, vor allem in der Spitzenstunde, festgestellt. Durch die Vollsper­rung der Karl-Marx-Allee wurden Erhöhungen des Verkehrsaufkommens im umliegen­den Straßennetz bis hin zu rund 1.500 Kfz/h ermittelt, sodass dort temporäre Beeinträch­tigungen prognostiziert wurden. Im öffentlichen Nahverkehr wurden Einschränkungen erwartet, weil der Schienenersatzverkehr, der für die U-Bahnlinie 5 zwischen den S- und U-Bahnhöfen Alexanderplatz und Frankfurter Allee eingerichtet wurde, aufgrund der Sperrungen ausfiel. Deshalb wurde ein Shuttlebus für die Zuschauer des Wettbewerbs eingerichtet.

Um die auftretenden Beeinträchtigungen zu minimieren und zusätzli­che Belastung der Ausweichrouten beeinflussen zu können, wurden von HOFMANN-­LEICHTER für den aus dem Norden, Osten und Westen kommenden, motorisierten und unmotorisierten Verkehr verschiedene großräumige Ausweichrouten erarbei­tet. Im Anschluss wurde die Abwicklung der Verkehrsbelastungen auf den um­liegenden Straßen in der Spitzenstunde nachgewiesen.

Auf einem früheren Industriegrundstück an der Spree in der Schnellerstraße 132-136 in Berlin-Niederschöneweide wurden im Frühjahr 2016 zwei Möbelmärkte und ein Sportfachmarkt eröffnet. Die drei Fachmärkte wurden auf einer etwa 7 ha großen Fläche errichtet, von der etwa 5 ha die jetzigen privaten Fachmarktgrundstücke bilden und etwa 2 ha als öffentliche Straße und Grünflächen an das Land Berlin übergeben werden.

Für dieses Fachmarktzentrum wurde in den vergangenen Jahren ein Bebauungsplan aufgestellt. HOFFMANN-LEICHTER erstellte in diesem Zusammenhang die fachtechnischen Gutachten für den Verkehr und den Lärm. Im Rahmen eines städtebaulichen Vertrags zwischen dem Bezirk Treptow-Köpenick und den Investoren wurden unter Mitwirkung von HOFFMANN-LEICHTER diverse planerische Grundlagen und Details hinsichtlich der später öffentlichen Flächen, der Bepflanzung sowie der verkehrlichen Erschließung abgestimmt und festgelegt. Gleichzeitig erhielt HOFFMANN-LEICHTER den Auftrag zur Planung aller Anlagen außerhalb der Gebäude. Diese umfassten im Einzelnen:

  • die privaten Verkehrsanlagen (Parkplatz, Zufahrten, Anlieferungen) der Fachmärkte,
  • die privaten Grünflächen und Versickerungsanlagen,
  • alle privaten Medienleitungen außerhalb der Gebäude,
  • zwei neue öffentliche Straßen einschließlich Beleuchtung sowie Umbauten an vorhandenen Straßen
  • den Neu- bzw. Umbau von zwei Lichtsignalanlagen,
  • den Umbau der Uferbefestigung an der Spree,
  • den Neubau der öffentlichen Regenwasserkanalisation mit Einleitbauwerk in die Spree sowie
  • den Neubau einer öffentlichen Grünanlage am Spreeufer.

Hinzu kam, dass das gesamte Grundstück aufgrund der früheren Nutzungen eine sehr starke Bodenbelastung aufwies und gleichzeitig in einem Wasserschutzgebiet liegt, sodass umfangreiche Bodenaustausch- und -sanierungsarbeiten erforderliche waren.

Neben der Planung und Bauleitung war HOFFMANN-LEICHTER auch für die Gesamtkoordination aller Außen- und Erschließungsanlagen im Zusammenspiel mit dem Bau der drei Gebäude verantwortlich.

Dank der Erfahrung und des Engagements des Teams von HOFFMANN-LEICHTER konnten die drei Fachmärkte nach etwa neun Monaten Bauzeit im Frühjahr 2016 eröffnet werden.

Der alte Ortsteil Adlershof erstreckt sich entlang der Dörpfeldstraße, die als zentrale Quartiersachse und Hauptgeschäftsstraße eine ausgeprägte Relevanz für das Gebiet hat. An ihr liegt auch der Marktplatz Adlershof, welcher den geographischen Quartiersmittelpunkt bildet.

Das Quartier Adlershof-Dörpfeldstraße weist viele Qualitäten und Potenziale auf, wie etwa ruhige Nebenstraßen, viel Grün, eine gute ÖPNV-Erschließung sowie eine gute Lage in Bezug auf umgebende Naherholungsgebiete, die es als attraktives Wohnquartier prädestinieren. Gleichzeitig wurden die öffentlichen (Straßen-)Räume des Quartiers seit längerer Zeit nicht mehr in Wert gesetzt und weisen dementsprechend sowohl funktionale als auch gestalterische Mängel auf. Darüber hinaus ist gerade die schmale Dörpfeldstraße stark von Durchgangsverkehr belastet. Diese Defizite konterkarieren die stadträumlichen Qualitäten des Quartiers und insbesondere die Attraktivität von Dörpfeldstraße und Marktplatz als Geschäftsstraße und Quartiersmitte.

Auf Basis eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) wurde das Quartier Adlershof-Dörpfeldstraße als Förderkulisse in das Städtebau-Förderprogramm ‚Aktive Stadt- und Ortsteilzentren‘ (AZ-Programm) eingebracht. Programmatische Zielstellung ist die Stärkung wesentlicher Stadtteilzentren im Allgemeinen sowie von Geschäftsstraßen im Speziellen. Im Rahmen des sich nun vollziehenden mehrdimensionalen AZ-Prozesses bildet die Entwicklung eines Integrierten Verkehrs- und Freiraumkonzepts (IVFK) eine tragende Säule zur Attraktivierung des Quartiers und seiner zentralen Orte. Oberziel des Konzeptes ist eine gleichermaßen funktionale sowie gestalterische Aufwertungen der öffentlichen (Straßen- und Frei-)Räume.

HOFFMANN-LEICHTER bearbeitete diese Aufgabe in einem interdisziplinären Team mit dem langjährigen Partnerbüro GRUPPE PLANWERK (Stadtplanung und Städtebau). Zur Konzeptentwicklung wurde ein grundlegend partizipatives und gleichzeitig streng umsetzungsorientiertes Verfahren gewählt – das eigens entwickelte Diskursive Planungsverfahren. Sämtliche Planungsschritte, von Bestands- und Problemanalyse, über Zieldefinition bis hin zu Maßnahmen- und Variantenuntersuchung, wurden von den Gutachtern nach allen Regeln der Kunst durchgeführt und gleichzeitig in Workshops mit allen relevanten Stakeholdern reflektiert, diskutiert und optimiert. Das Plenum der Workshops bestand aus Repräsentanten sämtlicher relevanter Zielgruppen, d. h. aller individueller und öffentlicher Interessen.

Das Plenum hat mit großer Mehrheit Gestaltungsgrundsätze der Neugestaltung von Dörpfeldstraße und Markplatz für die weiteren Umsetzungsplanungen empfohlen. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl konkreter und direkt umsetzbarer Einzelmaßnahmen für die öffentlichen (Straßen-)Räume des Quartiers erarbeitet. Sowohl die inhaltlichen Ergebnisse als auch die erhobene Zufriedenheit der TeilnehmerInnen mit den Workshops haben auch dieses Mal das Diskursiven Planungsverfahren zum Erfolg führen lassen. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann – vorerst zumindest als Visualisierung.

Die alle zwei Jahre stattfindende Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) ist eines der wichtigsten Branchentreffen, das im Jahr 2016 vom 1. bis 4. Juni auf dem Messe- und Veranstaltungsgelände Selchow stattfand. Anders als in den Jahren zuvor wurde der Veranstaltungszeitraum um zwei Tage verkürzt, dafür wurde der sogenannte „Long Friday“, an dem die Öffnungszeiten um zwei Stunden verlängert wurden, eingeführt. Wie in den Jahren 2008, 2010 und 2014 hat HOFFMANN-LEICHTER auch im Jahr 2016 wieder das Verkehrskonzept für die ILA erarbeitet.

Um während der ILA 2016 einen reibungslosen Verkehrsablauf zum Veranstaltungsgelände und auf den dort vorhandenen Verkehrsflächen zu gewährleisten, beauftragte die Messe Berlin GmbH die Ingenieurgesellschaft HOFFMANN-LEICHTER mit der Entwicklung eines Verkehrskonzeptes. Im Rahmen der Planung wurde zunächst das zu erwartende Verkehrsaufkommen anhand von Besucher- und Verkehrsdaten aus den vorangegangenen ILA-Veranstaltungen prognostiziert. Dieses wurde anschließend auf die verschiedenen Verkehrsmittel und Anreisewege verteilt, sodass in einem weiteren Schritt die notwendigen Kapazitäten bestimmter ÖPNV-Linien sowie der Parkplätze geplant werden konnten.

Insgesamt standen den Besuchern drei Parkplätze zur Verfügung, darunter der an der B96 liegende P1 für Fach- und Privatbesucher mit rund 10.000 Stellplätzen, der sich am Haupteingang befindende P2 für Aussteller, Presse und Reisebusse mit etwa 1.200 Stellplätzen sowie der auf der alten Start- und Landebahn Nord liegende P3 für Privatbesucher mit ca. 6.000 Stellplätzen.

Zudem wurden 7 Shuttlelinien zwischen dem Messegelände und den Parkplätzen P1 und P3, den Flughäfen Tegel und Schönhagen sowie den ÖPNV-Haltestellen Schichauweg, Rudow und Schönefeld eingerichtet. Weiterhin konzipierte HOFFMANN-LEICHTER auch die wegweisende Beschilderung auf den umliegenden Autobahnen, Bundes- und Kreisstraßen.

Die Planung erfolgte in enger Abstimmung mit allen Beteiligten. Während der Veranstaltung war das Team von HOFFMANN-LEICHTER vor Ort und betreute die Umsetzung des zuvor entwickelten Konzeptes. Aufgrund der guten Planung und Zusammenarbeit mit den Verkehrsbehörden und der Polizei wurde den insgesamt rund 150.000 Besuchern eine problemlose An- und Abreise ohne verkehrliche Beeinträchtigungen ermöglicht.